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„Open your street to change minds!“

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Eine Geschichte. Die vielleicht fast ungefähr genau so passiert ist.
(Lesezeit 3 Minuten)

Als ich vor ein paar Wochen von der Spätschicht nach Hause radelte, war es schon ziemlich dunkel und – genau, spät! Nur die Temperatur von knapp 21 Grad, der leichte Schimmer am Horizont und die frische Sommerluft erinnerten mich schnell wieder daran, dass es wohl ein super heißer Mittsommertag gewesen war. Von dem ich leider nicht viel mitbekommen hatte, da unser „Büro mit Aussicht“ das ganze Jahr auf 21,5 Grad temperiert ist. Ich fuhr also diesen komischen kombinierten Geh-und Radweg entlang der Miersdorfer Chaussee Richtung Zeuthen und bemerkte plötzlich in der Ferne, wie mehrere Personen einen Gegenstand über den komischen kombinierten Geh-und Radweg zogen. Der Gegenstand war etwas größer als ein Mensch, eine Art Statur mit dicken Füßen und einem großen runden Kopf. Und das Teil musste recht schwer sein, weil es mehrere Anläufe brauchte, um dieses etwas durch den Graben auf die Straße zu zerren. Nun muss man wissen, dass die Miersdorfer Chaussee nach Mitternacht nicht die befahrenste aller Straßen im Landkreis ist und man schon erstmal zusammenzuckt, wenn plötzlich in der Dunkelheit ein größere Anzahl schwarz gekleideter Personen aus einem Vorgarten kriecht. Zumindest ging mir das so. Ich kam etwas näher und bremste ab. Mittlerweile hatten die (das konnte ich jetzt erkennen) Jugendlichen den Gegenstand flach auf den Boden gelegt. Drei zogen oben, zwei drückten unten, um den letzten Teil des Grabens zu überwinden. Danach wurde das Ungetüm in die Mitte der Straße platziert. Einen Moment dachte ich, das Teil sieht auf wie ein Galgen. Ich stoppte und schaltete das Licht aus. Gesehen hatte mich die Truppe scheinbar noch nicht. Aus sicherer Entfernung sah ich, wie einer der fünf nun zurück in den Garten lief, die anderen vier warteten auf der Straße – oh f*ck, ich werden Zeuge eines Hauseinbruchs. Sicherlich kommt gleich der zerbeulte Transporter und das Diebesgut wird dann hektisch eingeladen. Und ich gleich mit, wenn ich nicht gleich verschwinde. Plötzlich ein Schrei – YEAH! Phil AIRBALL!! Ich hatte gar nicht bemerkt, wie der eine aus dem Garten einen Basketball auf die Straße warf und nur im Haaresbreite die große Statur verpasste. „Zwei gegen zwei! – Phil du zählst“ sagte nun ein anderer. Verwirrt und mit den Gedanken immer noch gefesselt im Transporter schob ich das Rad langsam vorwärts und schaltete das Licht wieder ein. Jetzt konnten mich die Jungs zwar sehen aber sie waren schon alle auf der Straße und kümmerten sich nicht wirklich um Fahrrad schiebende Softeggs wie mich. „Was macht ihr denn hier?“ Fragte ich die Jungs. „Nach was siehts denn aus?“ kam als doofe Antwort auf meine doofe Frage zurück. „Wir zocken ne Runde Basketball, heute wars tagsüber viel zu heiß“ sagte der Größte der fünf. „Basketballplätze gibts eh nicht. Die Straße ist leer also spielen wir ne Runde mit Phils Korb“ führte ein andere fort. „Aha, nice – ja dann, viel Spaß und Vorsicht mit den Autos!“ verabschiedete ich mich, sichtlich erleichtert nicht doch Zeuge eines brutalen Hauseinbruchs geworden zu sein. Gleichzeitig musste ich den Kopf über meine dämliche erwachsenen Vorsichtsansprache schütteln. „Machst du mit ? – wir brauchen noch einen Mann !“ fragte der Große plötzlich. Ich drehte mich um, machte eine Nachdenkerpose obwohl ich gar nicht nachdenken brauchte und sagte „logo!“. Ich stellte mein Fahrrad auf diesem komischen kombinierten Geh-und Radweg ab, lief durch den Graben auf die Miersdorfer Chaussee. Wir spielten ein paar Runden drei gegen drei. Dieses große Ding, das ich in der Dunkelheit für eine Statur gehalten hatte, war natürlich ein mobiler Basketballkorb mit Wassertank am Boden und einem Brett mit Korb und Netz oben. Wenn mal ein Auto kam, wurde der Korb kurz zur Seite geschoben und freundlich gewunken, danach ging die Punktejagt weiter. Nach 5 Spielen verabschiedete ich mich verschwitzt und fuhr glücklich nach Hause.
An diesem Abend beschloss ich Zeuthen Open Streets zu starten.


Zeuthen Open Streets soll den Bürgerinnen und Bürgern den Raum zurück geben, den sie durch den massiven Ausbau der Infrastruktur für den Autoverkehr verloren haben. Jede/r ist willkommen. Es geht darum Begegnungs- und Dialogflächen zu Verfügung zu stellen und dadurch ein neues Gefühl für öffentliche Räume bei der Bevölkerung voranzutreiben. Eine sonst stark befahrene Straße plötzlich für sich zu haben – ohne sie mit Autos oder Motrrädern Teilen zu müssen, Platz zu haben und sich frei bewegen zu können – dieses Gefühl ist Ziel von Open Streets. Alle Aktivitäten rund um Zeuthen Open Streets sollen von den Teilnehmern selbst organisiert werden, das Orga Team stellt nur wenige Bedingungen und sorgt vor allem für eine klare Kommunikation und z.B. die Sperrung der Straße.


Du willst eine Aktivität oder einen Kurs anbieten ? Du willst zeigen was du kannst oder hast eine Idee, wie Zeuthen Open Streets noch bunter und schöner werden kann? Dann schreibe gerne eine E-Mail und wir verbinden dich mit einem/r Ansprechpartner/in oder wir finden zusammen eine Lösung. Danke für dein Interesse.

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